Was ist eigentlich “Gothic”? Ein Hintergrundartikel von Oliver

Tuesday, November 10, 2009
By GS

Hallo liebe Leser,

auch wenn ich mich selbst nur teilweise in der Gothic-Szene bewege, so möchte ich doch versuchen Euch diese näher zu bringen. Natürlich hat wie bei vielen Dingen im Leben auch hier jeder Mensch unterschiedliche Ansichten, daher seht meinen Artikel bitte nicht als allgemeingültig für jede schwarze Person an, aber grundsätzlich werde ich versuchen recht objektiv meinen eigenen Erfahrungen nach zu berichten.

Zum einen sei gesagt, daß auch Gothics Menschen mit Träumen, Gefühlen oder Problemen sind, und wie auch im “bürgerlichen” Leben, gehen sie unterschiedlich damit um. Der Begriff der Gothic-Szene entwickelte sich in den 1980er und 1990er Jahren und dürfte sich einfach aufgrund der oft düster wirkenden Musik und der Vorliebe für ruhige Orte, an denen man über sich selbst und die Welt nachdenken kann, ergeben haben. Mitunter kommen noch Interessen an Mystischem und Ungreifbarem dazu und ein weit verbreitetes Maß an Ästhetik. Natürlich lässt sich hierüber diskutieren, doch da die grundsätzlichen Interessenlagen vorwiegend düster angehaucht sind, spiegelt sich dies natürlich auch im Geschmack von Mode und Ähnlichem wieder. Auf Grund dieser Bezüge wurde offenbar aus dem englischen das Wort “gothic – figurativ „düster, schaurig“ ” verwendet.

Natürlich kann man hier viel philosophieren und mutmaßen, letzten Endes gibt es viele verschiedene Ansichten und nur diejenigen, die dabei waren, können wirklich davon erzählen, was es ursprünglich einmal war. Daher dieser Anriss des Namens nur am Rande – und nun zu meiner Beschreibung, wie denn ich persönlich die Szene kennengelernt habe. Wobei ich darauf hindeuten möchte, dass die Gothic-Szene nur ein Bereich der sogenannten Schwarzen Szene ist und diese doch sehr miteinander vermischt ist, so kommt es in der Regel nicht selten vor, dass Gothics, Metaller oder auch Mittelalterbegeisterte zusammen unterwegs sind. Zwar hat dies nichts miteinander zu tun, ich möchte es aber nur anmerken, dass es nunmal auch vom Geschmack einzelner Personen abhängt.

Prinzipiell kann man aus meiner Sicht sagen, steht der Begriff Gothic für das Interesse am Philosophieren, der Sehnsucht nach in der heutigen Welt oft verlorener Romantik, der Vorliebe für tiefsinnige Musik die noch etwas aussagt und nicht nur lieblos kreiert wurde. Dem Wunsch sich auf eigene Art zu kleiden, nicht eingegrenzt zu sein durch Schranken, die sich die Menschen selbst auferlegen indem sie festlegen, was nun “angemessen” sei oder auch nicht. Was natürlich keineswegs heisst, dass ein Gothic keine Freude verspüren kann oder nicht feiern würde. Im Gegenteil. Viele Gothics sind humorvolle und fröhliche Menschen, wenngleich es auch hier eine starke Gruppenbildung gibt.

Dies hat in den letzten Jahren zugenommen, ist aber ein Phänomen der gesamten Gesellschaft und nicht ein Problem der schwarzen Szene an sich. Die Menschen haben alle ihre eigenen Probleme und Fremdes wird teilweise mit Argwohn betrachtet. Das macht natürlich auch vor der Gothic Szene nicht immer Halt, auch wenn sie doch Toleranz als ein wichtiges Gut beurteilt. So kann ich durchaus berichten, dass ich dort so akzeptiert wurde, wie ich damals war, ziemlich normal, ohne Ahnung von der Musik und was Gothic eigentlich ist. Und der Erste, den ich nach einigen Gesprächen im Internet traf, war ich sage mal ein “waschechter Goth”, so wie man es sich vorstellt. Samtmantel, Schminke, schwarz lackierte Nägel und Lippenstift und für den Normalbürger sicherlich erstmal ein wenig fremd.

Doch wie dem so ist bin ich kein Leichtgewicht und brauchte mich daher wenig sorgen, trotzdessen auch ich vorher Vorurteile hörte, wie: die graben Leichen aus, nehmen Drogen, sind homosexuell und und und.

Letzten Endes habe ich mich prächtig mit ihm unterhalten und verstanden und er erklärte mir unter anderem, dass Toleranz das Wichtigste sei. Man ging zusammen ins Zwischenfall in Bochum und selbst dort hatte ich keinerlei Ärger oder Probleme und sogar bunt gekleidete Menschen sah man hin und wieder dort einkehren. Sicherlich ein Blick oder zwei waren da gefallen, aber niemand wurde vergrault oder verurteilt, was mir gut gefiel. Im Gegensatz zu einer normalen Diskothek gab es keine Kleiderordnung im engeren Sinne, es wurde nur darauf geachtet, dass die Leute nicht so aussehen, als ob sie Ärger machen würden und fertig (das vermute ich jetzt einfach mal ).

Zwar habe ich nun die Kleidung angesprochen und es ist nunmal so, dass viele gern schwarz tragen. Oder aber Kleidung im Stil der Renaissance, aber es ist eben nicht ausschlaggebend, wenn auch beliebt. So kann es nunmal auch “bunte” Gothics geben und im Alltag wird man so manchen Gothic nicht einmal zwingend erkennen, denn auch hier ist durchaus bewusst, dass man zwischen Privat- und Berufsleben unterscheiden muss.

So lernte ich schon Gothics aus den verschiedensten Bereichen kennen, der Gastronomie, dem Kunstgewerbe, dem Gesundheitswesen, ja sogar ein Polizist war einst mit dabei. So vielseitig wie Menschen nunmal sind, so vielseitig ist auch die schwarze Szene.

Nichts mit der schwarzen Szene zu tun hat hingegen das Thema Religion und auch der sogenannte Satanismus ist ja eine Form davon, der leider oft mit der Szene in Verbindung gebracht wird. Dies liegt unter anderem daran, dass für Filme mit diesen Themen natürlich lieber düsterere, anders wirkende Gestalten gewählt werden, das Spiel mit dem Unbekannten und der Angst davor und auch daran, dass sich selbige mitunter auch gern wie Gothics kleiden.

Natürlich kann man nicht sagen, es gibt keine Satanisten in der Szene, doch davon kann sich auch die normale Gesellschaft nicht freisprechen, denn es ist eine religöse Einstellung und die hat nichts mit der Einstellung Gothic zu tun. In der Gothic Szene findet man viele Glaubensrichtungen wieder, Christen, Juden, Buddhisten und Atheisten traf ich selbst bisher an und mit Religion hat die Szene wahrlich nichts zu tun. Dennoch wird da gern, nicht zuletzt von den Medien, einiges durcheinander geworfen, Schlagzeilen geschaffen, ohne auf die weitreichenden Konsequenzen zu blicken, die dies leider mit sich führt. So kann ich jedenfalls nur sagen. Macht euch ein eigenes Bild einer Person, liebe Leute, denn jeder Mensch ist unterschiedlich, ganz gleich welcher Gruppe er angehört. Zum Thema Satanismus sei noch erwähnt, dass gleichnahmige Filme auch oft ein Pentagramm beinhalten, wodurch selbiges natürlich gern nur damit in Zusammenhang gebracht wird. Doch es gibt für dieses Symbol noch weitere Bezeichnungen, und ebenso wie ein Hakenkreuz an anderen Orten eine gänzlich andere Bedeutung hat als hier und Swastika genannt wird, so hat auch das Pentagramm, auch Drudenfuß genannt, noch weitere. Treffend könnte man sagen: es gibt immer zwei Seiten einer Medaille.

Da natürlich auch die schwarze Szene einen ständigen Zu- und Abstrom von Menschen hat, wechseln natürlich auch hier teilweise die Ansichten und Einstellungen, und teilweise probieren auch junge Menschen es einfach mal aus um sich auszutoben ohne die vielen Aspekte der Szene zu beachten. Dies wird von Alteingesessenen zwar nicht so gern gesehen, da auch sie unter etwaigen Falschaussagen zu leiden haben, aber so ist es nun einmal. Natürlich gibt es auch schon viele junge Menschen in der Szene, die sich sehr wohl der Bedeutungen bewusst sind und nicht nur das oberflächliche “sich schwarz anziehen” sehen.

Zusammengefasst kann man also sagen Gothics sind Menschen wie Du und ich mit ihren ganz eigenen Interessen und Träumen und wer weiss. Vielleicht gibt es hier und da sogar Gemeinsamkeiten, die man nur deshalb nicht erkennt, weil man Vorurteile hegt oder Angst vor dem Unbekannten hat. Im Grunde aber ist es wie überall. Entweder man kann jemanden leiden, oder eben nicht.

Sodenn. Ich hoffe ich konnte euch mit diesem Artikel zumindest einen kleinen Einblick für Aussenstehende verschaffen und wünsche weiterhin viel Spass und Erfolg und solltet ihr weitere Fragen haben, so schaut doch einfach mal bei http://www.gothic-singles.de vorbei oder lest bei Wikipedia unter den Begriffen Gothic und Schwarze Szene nach. Denn wie schon anfangs erwähnt:
Meine Ansicht ist nur eine von vielen.

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One Response to “Was ist eigentlich “Gothic”? Ein Hintergrundartikel von Oliver”

  1. LISA

    Hallo Oliver!

    Da wir uns als Admins dieser Seite sehr für dieses Thema Interresierten haben wir uns natürlich auch im Internet darüber schlau gemacht. So wie du die Scene erklärst wird sie “für mich als außenstehender” natürlich stimmen. Menschen wie du und ich eben, mit anderen Hobbys, Musik und Modegeschmack.

    Was mir aber bei den Foren und Chats und auch bei Blog Tagebucheinträgen aufiel war eben dieser Hang zur Traurigkeit.

    Ich habe mit einen Gothik (sie nannte sich Amanda) über längere Zeit mittels Tagebuch einträgen geplautert und später auch bei Email. Was auffiel waren als erstes Ihre Gedichte die von Trauer und Tod und dessen Erlösung sprach. Wie weit sie sich von den “normalsterblichen” entfernt fühlte.

    In unseren Gesprächen kam heraus das ihr Leben bisher nicht gerade Rosig verlaufen ist und Sie sich deshalb mit der schwarzen Kluft einen Vorhang zwischen sich und die Welt legte.

    Amanda erzählte auch das Ihre Clique (ca.15Personen aus Hamburg)in dieser richtung ziemlich gleich drauf waren und die Normalos mit Ihrem tun eher Belächelten da sie so naiv in die Welt sahen.

    Auf eine Email in der sie wieder ein Gedicht übermittelte das wieder vom Licht der erlösung handelte antwortete ich Ihr(und es war wirklich ein schöner Sommertag): “Hey mädchen geh raus und geniess das Leben, pack ein paar Freunde ein und geh zum Strandbad. Erzählt euch ein paar Witze und spritzt euch das Wasser ins Gesicht”. Ich war auch bereit nach Hamburg zu fliegen und Ihr zu zeigen das das Leben nicht nur Dunkel ist.

    Leider habe ich bis Heute keine Antwort darauf erhalten. Aber das was ich von Gothic’s gehört habe war eben vielmehr dunkles und trauriges was mit der Mode oder Musik allein nichts mehr zu tun hatte.#

    Natürlich wird e auch die Wochenend Gothik geben aber wer es wirklich lebt ruft (Meiner Meinung nach) auch ein bißchen um Hilfe.

    Ich ziehe mich auch gern Schwarz an und Schminke meine Lippen dunkelrot aber ich bin positiv im Leben.

    Wie Du schon gesagt hast ist meine Meinung nur eine von vielen.

    Deine LISA

    #1309

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